Maja Böhm 
Dr.
med. Steffen Soll 
Joerg Claus 
Gabriele Bellmann AID*
Norbert E. Lyonn AID*
Chaim Jellinek AID*
Dr. med. Jörg Gölz 
Dr. med. Solvey Hahn 
Neil Mac Lean 
Dr. med. G. Partecke 
Substitution
Es ist noch nicht lange
her, da galt die Substitutionsbehandlung als schmuddelige zweite Wahl, als
Abweichen vom "Königsweg" der Abstinenz. Ärzte wurden
vor gut 10 Jahren noch mit erheblichen Strafen bedroht (und auch tatsächlich
bestraft) und mussten sich als 'Dealer in weiss' bezeichnen lassen, auch
Drogenberatungsstellen waren lange reserviert. Die Patienten wussten allerdings
was sie brauchten, Holland ging dann mit den Methadontabletten mit mutigem
Beispiel voran.
Inzwischen gilt die Substitution
– wissenschaftlich gut untersucht - als die Behandlung mit der höchsten
Haltekraft, sie sichert das Überleben und die Gesundheit. Das was lange
vernachlässigt wurde, kann aufgearbeitet und nachgeholt werden. Wenn
das Leben wieder eine Balance gefunden hat, kann auch Abstinenz gemeinsam
mit Drogenberatung und Arzt planvoll angegangen werden, oft schließt
sich eine stationäre oder ambulante Therapie an.
Die Krankenkassen haben die Substitution längst als Krankenbehandlung
anerkannt und bezahlen sie inzwischen ohne Antrag und ohne zeitliche Begrenzung.
Vorraussetzung ist immer eine begleitende psychosoziale Betreuung (PSB)
durch eine anerkannte Drogenberatungsstelle, diese wird wiederum in Berlin
durch das Bezirksamt finanziert, deshalb auch der Besuch beim Psychologen
des sozialpsychiatrischen Dienstes (SPD) des Bezirkes. Im folgenden ist
ausschließlich von Heroinsubstitution die Rede.
Substituiert wird üblicherweise
mit Methadon (genauer D,L-Polamidon),
mit dem es weltweit die meisten Erfahrungen gibt, unter bestimmten Bedingungen
sind darum auch Reisen ins Ausland möglich. Methadon ist deswegen gewählt
worden, weil es eine so lange Halbwertszeit hat (die Zeit, in der die Hälfte
abgebaut wurde), dass es nur einmal am Tag eingenommen werden muß.
Dadurch gibt es Ruhe im Körper, ein gleichmäßiger Spiegel
des Substitutionsmittels ist wichtig. Sucht in ihrem körperlichen Aspekt
entsteht ja vor allem durch die schnell steigenden und fallenden Wirkspiegel
der Suchtstoffe. Damit ist die Gleichmäßigkeit zugleich auch
Vorraussetzung für späteres Abdosieren.
Eine gewisse, wenn auch
kleinere, Rolle spielt auch das Subutex
(Buprenorphin). Ein halbsynthetisches Opiat, hat es eine fast paradoxe Wirkung,
nämlich gleichsinnig wie Opiate und zugleich gegensinnig, jeweils auf
unterschiedliche Opiatrezeptoren. Das ist auch der Grund, warum eine deutliche
Pause zwischen der letzten Einnahme von Opiaten(auch Methadon) und der ersten
Einnahme von Subutex gemacht werden muss,
da es sonst einen ausgeprägten Entzug bei der Umstellung gibt. Mit
Subutex wird ein spürbarer Schritt in Richtung Klarheit/ Abstinenz
gemacht. Das ist nicht immer angenehm, weil auch der Blick auf das bisherige
Leben klarer wird und die eigenen Gefühle deutlicher spürbar werden.
Die Erfahrung zeigt, dass dies bei manchen Patienten zu vermehrten Rückfällen
führt und dem Wunsch, zurück zu Methadon zu wechseln.
Polamidon (L-Polamidon) spielt praktisch
keine Rolle mehr. Es war ohnehin eine deutsche Besonderheit, da es schon vor
dem Krieg als Schmerzmittel durch die Farbwerke Hoechst hergestellt worden
war, und sich bei der Einführung der Substitutionsbehandlung in Deutschland
zunächst anbot. Es dauerte noch einige Zeit bis das Betäubungsmittel-(Btm)gesetz
geändert und Methadon damit verkehrsfähig und verschreibungsfähig
wurde. Pharmakologisch ist bisher kein Wirkungsunterschied zum Methadon nachgewiesen
worden, auch in Blindversuchen konnte niemand die beiden Substanzen unterscheiden.
In Einzelfällen mag von einer Umstellung abgesehen werden.
Heroin ist in Deutschland nur in einigen
Städten als wissenschaftliches Projekt für eine begrenzte Zeit genehmigt
worden und dies unter strengsten Auflagen mit einer hohen Schwelle für
die Teilnahme. Bedauerlicherweise wurde es zum politischen Spielball in Deutschland,
und aus diesem Grund wurde es für Berlin von dem damaligen Senat abgelehnt.
Bei einem entsprechenden Projekt in der Schweiz vor etlichen Jahren hatte
es durchaus positive Ergebnisse gegeben, die man in Deutschland gerne überprüft
hätte.
Unverzichtbarer Bestandteil der Substitutionsbehandlung sind die Dreiergespräche
mit Patient, Arzt und PSB. Gemeinsam Ziele und Etappen zu formulieren und
deren Erreichen zu unterstützen und auch anzustoßen ist ein Kernbestandteil
der Substitutionsbehandlung. Es soll sich etwas verändern nachdem Stabilität
eingetreten ist, ein drogenfreies, nicht-abhängiges Leben bleibt das
Ziel.
Ebenfalls unverzichtbar sind die Kontrollen auf Beigebrauch anderer Substanzen,
üblicherweise im Urin. Sie dienen der Bestätigung des Behandlungserfolges
und sind ein Spiegel für den Patienten, der vielleicht am Anfang noch
dazu neigt, sich etwas vorzumachen. Dazu gehört dann auch die Kontrolle
auf Alkoholkonsum, der als äußerst ungünstig angesehen wird,
insbesondere bei Vorhandensein einer Hepatitis.
Beigebrauch muss immer wieder angesprochen und bearbeitet werden, ständiger
Konsum anderer Suchtstoffe stellt den Erfolg der Substitution ernsthaft in
Frage.
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